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Steinbeis-Beratungszentrum Wissensmanagement

Studierende sehen den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Bewerbungsverfahren kritisch

19.07.2018

Deutsche Studierende stehen Künstlicher Intelligenz grundsätzlich kritisch gegenüber, wenn es um deren Einsatz in Bewerbungsverfahren geht. Laut einer von univativ im Juli 2018 durchgeführten Umfrage unter rund 800 angehenden Akademikern sind 56 Prozent der Befragten dieser Meinung. Allerdings sehen Studenten darüber hinaus auch Potential in der Anwendung Künstlicher Intelligenz: So stimmt mehr als die Hälfte der Aussage zu, dass KI viele nützliche Anwendungs-möglichkeiten bietet. Das Zukunftsszenario, ein Vorstellungsgespräch mit einem Roboter-Recruiter zu führen, kann sich jedoch aktuell nur ein Bruchteil vorstellen. Trotzdem: Ein menschliches Gegenüber im Bewerbungsverfahren wird auch von den Digital Natives mehrheitlich bevorzugt.

Angst vor Datenmissbrauch als Beigeschmack

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten glauben, dass KI zahlreiche sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten bietet, die ihnen das Leben erleichtern – z.B. in den Bereichen Stauvermeidung, Logistik, Forschung oder Kundenservice. Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) schätzt KI grundsätzlich als Chance ein, während etwas weniger Befragte (31 Prozent) angaben, darin eher ein Risiko zu sehen. Ebenfalls rund ein Drittel (34 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass KI eine risikoreiche zusätzliche Angriffsfläche für Datenmanipulation bietet, oder dass sie eine unerlaubte Verwendung der persönlichen Daten befürchten (36 Prozent).

Bewerbungsverfahren könnten fairer und schneller ablaufen

Bezogen auf eine Anwendung in Bewerbungsverfahren zeichnet sich ein etwas anderes Meinungsbild. Studierende sehen den Einsatz von KI in einem solchen Fall eher kritisch (56 Prozent). Rund ein Viertel (23 Prozent) hätte jedoch nichts dagegen, 12 Prozent würden die Anwendung sogar befürworten. Die größten Vorteile des Einsatzes von KI in Bewerbungsverfahren sehen die Befragten (57 Prozent) in einer objektiveren Kandidatenauswahl und der Vorbeugung gegenüber Diskriminierung. Fast ebenso viele (54 Prozent) versprechen sich dadurch schnellere und effizientere Prozesse. Eine größere Transparenz im Bewerbungsverfahren würde rund ein Drittel (37 Prozent) der Studenten erwarten. Immerhin 15 Prozent gaben an, durch KI gar keine Vorteile erkennen zu können.

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Künstliche Intelligenz scheitert an der menschlichen Persönlichkeit

Im Hinblick auf mögliche Nachteile gaben die meisten Befragten (73 Prozent) an, dass bei einem Einsatz von KI in Bewerbungsverfahren die Persönlichkeit des Bewerbers als Differenzierungsmerkmal außen vor bleibt. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) stimmte der Aussage zu, dass KI nicht perfekt sei und deren Einsatz auch ein Fehlerpotential mitbringe, beispielsweise im Hinblick auf subjektive Programmierung oder eine falsche Datenbasis. Gar keine Nachteile sehen nur 6 Prozent der Befragten. In der Zeichnung eines konkreten Zukunftsszenarios reagierten die Befragten eher verhalten: Ein Vorstellungsgespräch mit einem Roboter-Recruiter können sich 12 Prozent überhaupt nicht vorstellen. Jeder Dritte (35 Prozent) wäre zwar nicht vorbehaltlos, würde es aber auf einen Versuch ankommen lassen. Nur 10 Prozent zeigen sich im Hinblick auf einen solchen Anwendungsfall wirklich neugierig und hätten kein Problem damit. Insgesamt bevorzugen jedoch 43 Prozent einen menschlichen Gesprächspartner, wenn es um den potentiellen neuen Job geht.

Datenschutz in sozialen Medien ist Alltag

Die Möglichkeit, dass potentielle Arbeitgeber Informationen über Bewerber aus deren Social-Media-Profilen konsolidieren könnten, ist offenbar vielen Studierenden bewusst. So gab knapp ein Drittel (29 Prozent) an, dies mittels der Privatsphäre-Einstellungen oder privater Profile aktiv zu unterbinden. Jeder Vierte (26 Prozent) denkt „manchmal“ an diesen Umstand und wählt Inhalte für seine Posts dahingehend bewusst aus. 21 Prozent denken sogar „oft“ daran und haben sich dazu entschieden, nur noch Unverfängliches auf ihren Profilen zu veröffentlichen. Immerhin 14 Prozent sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben ihre Aktivität auf Social-Media-Kanälen aus diesem Grund eingeschränkt oder eingestellt. Nur 8 Prozent veröffentlichen ihre Posts, ohne sich über eine etwaige Auswertung durch Firmen Sorgen zu machen.

„Unsere Digital Natives sind im digitalen Raum keine naiven Konsumenten – im Gegenteil, sie begegnen dem Thema Datenschutz im Allgemeinen gut informiert und treffen entsprechende Vorkehrungen. Interessant ist, dass sie im Hinblick auf ihre berufliche Entwicklung offenbar noch sorgsamer mit ihren Daten umgehen. Für uns Arbeitgeber heißt das im Umkehrschluss, dass wir bei der Digitalisierung unsere Hausaufgaben machen und für Datensicherheit sorgen müssen“, kommentiert Olaf Kempin, Gründer und Co-Geschäftsführer von univativ, die Ergebnisse. „Menschen durch Roboter zu ersetzen, scheint im Recruiting also noch Zukunftsmusik zu sein und aktuell kein Wunsch der angehenden Absolventen.“

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Falsche Abwehrstrategie zwingt die IT-Sicherheitsbranche in Aufrüstspirale

18.07.2018

Anbieter von Sicherheitssoftware vermarkten den Einsatz von KI in ihren Produkten als technologischen Fortschritt. Dabei haben sie gar keine Wahl: Cyberkriminelle geben den Takt vor und werden immer mächtiger. Schuld ist der konzeptionelle Ansatz einer ganzen Branche.

Tatsächlich befinden sich Cyberkriminelle im Kampf um die Sicherheitshoheit seit jeher im Vorteil. Sie unterliegen keinen Organisationszwängen, sind schnell, per Definition skrupellos und geben mit immer fortschrittlicheren Attacken den Takt vor. Anbieter von Sicherheitssoftware können neuartige Angriffe nicht antizipieren und müssen reagieren; bis aber angepasste Abwehrmaßnahmen entwickelt und am Ende von ihren Unternehmenskunden produktiv eingesetzt werden, ist es meist schon zu spät. Dann beginnt der Kreislauf wieder von vorne.

Hacker sind in diesem Spiel stets einen Schritt voraus – und jetzt entdecken sie KI. Damit können sie ihre Attacken noch raffinierter gestalten und noch schneller durchführen. Die Technologie erlaubt ihnen, Angriffsmuster automatisch zu verändern und bis zur Unkenntlichkeit zu tarnen. Damit wächst der technologische und zeitliche Vorsprung der Angreifer weiter. Der einzige Zug, der Herstellern bleibt, um überhaupt eine Chance zur Abwehr zu haben, ist der eigene Einsatz von KI in ihren Lösungen. Cyberkriminelle zwingen sie damit in eine Aufrüstspirale, in der die Anbieter nicht die Oberhand gewinnen können.

Immerhin sind Sicherheitssoftware-Hersteller mit dem KI-Einsatz ebenfalls in der Lage, Maßnahmen zu automatisieren: KI-Programme können zum Beispiel ihre gigantischen Datenbanken durchforsten und nach immer feineren Angriffsmustern oder Anomalien suchen, um sie völlig selbstständig abzuwehren – wenn sie denn gefunden werden.

Das Erkennen von Malware ist der Schlüssel von Angriffsabwehr-Strategien und Kernbestandteil der Produkte und Lösungen der Anbieter. Eine solche Strategie hat einen immanenten Nachteil: Die Erkennungsrate muss bei 100 Prozent liegen; gleichzeitig müssen Abwehrmaßnahmen zu 100 Prozent greifen, um erfolgreich zu sein. Das ist in den wenigsten Fällen möglich, schon gar nicht bei KI-getriebenen Angriffen.

„Dieser konzeptionelle Fehler einer gesamten Industrie macht die Abwehr von Cyberangriffen immer schwieriger", erklärt Jochen Koehler, Regional Director DACH bei Bromium in Heilbronn. „Der Einsatz von KI wird den Vorsprung der Angreifer vergrößern und nicht verringern, wie es sich viele Anbieter erhoffen. Es ist an der Zeit, über neue Methoden zur Verteidigung von Hackerattacken nachzudenken, sonst wird der Kampf gegen einen immer mächtigeren Gegner aussichtslos."

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Zukunft Personal Europe: Die Arbeitswelt im „beta-Status“

16.07.2018

Agilität, Digitalisierung, Disruption – Begriffe, die die Geschäfts- und Arbeitswelt seit geraumer Zeit umtreiben. Die Folge daraus ist ein ständiges Adaptieren an neue Marktbedingungen, die Entstehung neuer Formen der Zusammenarbeit und nicht zuletzt die Verschmelzung von künstlicher und menschlicher Intelligenz. Kurzum: Wir befinden uns in einem kontinuierlichen „beta-Status“.

Welche Chancen und Herausforderungen sich daraus für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergeben, steht im Mittelpunkt der diesjährigen Zukunft Personal Europe. Das führende ExpoEvent rund um die Welt der Arbeit gibt vom 11. bis 13. September in Köln unter dem Motto „work:olution – succeed in permanent beta“ praktische Handlungsoptionen zur positiven Gestaltung des Wandels. Drei Tage lang präsentieren über 770 Aussteller innovative Produktlösungen, parallel läuft ein umfassendes Begleitprogramm mit mehr als 450 Vorträgen und interaktiven Networking-Formaten.

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